Das Leben gehört zum Tod

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Ich bin 30. Die Eltern von meinem Papa sind gestorben, als ich noch klein war. Ich kann mich nicht wirklich an deren Tod, sondern eher an deren Leben erinnern. Was mich sehr beruhigt. Immer mal wieder fällt mir ein, wie Opa “Weißt du wie viel Sternlein stehen” mit uns gesungen hat. Oder wie sich Oma geärgert hat, wenn Opa – jedes Mal – “verschwunden” ist, wenn das Mittagessen fertig war.

Das Begräbnis, das am präsentesten in meiner Erinnerung ist, ist das meines Freundes Raimund, der im Oktober 2008 bei einem Autounfall gestorben ist. Hunderte Menschen waren da. Sein Chor hat gesungen: “Say goodby with a smile” und “Ins andre Lebn” – ich kann es noch immer hören. In der Aufbahrungshalle stand der Sarg und davor ein Bild von ihm. So wie wir ihn alle kannten – mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und diesem einzigartigen Funkeln in den Augen. Ich bin so dankbar, dass ich ihn über die Musik damals auf Burg Glanegg kennengelernt hab! Ein Mensch wie ein Geschenk.

Der Tod ist jeden Tag präsent – in den Zeitungen, Fernsehnachrichten, im Freundes- und Bekanntenkreis. Präsent, aber mit einer gewissen Distanz, weil die Verstrobenen meist nicht zu meinem Freundes- oder Familienkreis gehörten. Seit 17. Juli ist diese Distanz wieder sehr viel schmäler. Jeder Tag beginnt mit Gedanken an Kathrin, die viel zu früh für immer eingeschlafen ist…

Das Leben gehört zum Tod. Niemand kann etwas daran ändern. Jeder von uns wird einmal sterben. Früher oder später. Es ist und bleibt das Leben, das zählt. Das Leben, an das man sich erinnert. Die Spuren, die man mit seinem Sein in den Herzen der anderen hinterlässt. Der Platz, den niemand anderer einnehmen kann.

Das Leben gehört zum Tod. Und niemand weiß, wie viel irdisches Leben noch “übrig” ist. Im Grunde ist jede Sekunde ein Geschenk. Jede Sekunde ein Grund zum Feiern. Jede Sekunde ein Grund, Danke zu sagen – für alle Begegnungen mit ganz wundervollen Menschen, Gefühle die für Gänsehaut und auch Tränen sorgen, Wege die nur wir gehen können, Möglichkeiten für die wir uns tagtäglich neu entscheiden können.

Und auch wenn wir heute, morgen, in zwei Wochen oder erst in 70 Jahren diese Welt verlassen – was bleibt, ist die Tatsache, dass wir gelebt haben. Bis dahin können wir Spuren hinterlassen, lachen, weinen, tanzen, singen, schreiben, malen, staunen, genießen… aus ganzem Herzen.

Das ist, was ich uns wünsche – ein Wunder-volles Leben von Herz zu Herz, von Sekunde zu Sekunde!

*m

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