Von einem neuen Zugang und den Vorbereitungen für die Lymph-Reha

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Ich liebe mein Leben. Und ja, ich nutze viele Gelegenheiten, um diese Grundeinstellung weiterzugeben, oder andere zu motivieren bzw. einfach nur auf den Gedanken zu bringen, wie kostbar dieses Leben ist. Jeder einzelne Tag.

Im Pipparadies geht es auch darum, Ja zu sich zu sagen – mit allem, was einen ausmacht. Jeder Mensch ist und bleibt ein Wunder. Von den Haar- bis zu den Zehenspitzen ist jeder einzigartig und gleichzeitig ist jeder perfekt.

Es gibt Umstände, die es nicht so einfach machen, diese Perfektion als solche anzuerkennen. Krankheiten sind solche Umstände, die zweifeln lassen. Doch viele Krankheiten sind eine Chance – die Chance, sich weiter zu entwickeln, Selbstheilungskräfte zu aktivieren, optimistisch zu bleiben, jeden Moment lieben zu lernen. Und mir ist es sehr bewusst, dass es Unterschiede gibt – nicht jede Krankheit verläuft gleich, die Heilungschancen sind unterschiedlich. Was bleibt ist am Ende nur dieser einzelne Moment. Jede Sekunde. Es geht jetzt nicht darum, etwas schlimmer, besser, schöner, grausamer, heilbarer oder hoffnungsloser darzustellen. Ich habe beschlossen, mein Thema – das ich nicht Krankheit nennen möchte, weil es dann mehr “Macht” hätte – zu teilen. Um diese Geschichte für mich aufzuschreiben und vielleicht ein paar andere Betroffene zu erreichen und um gemeinsam das Thema abzuschließen und ein neues Kapitel anzufangen.

Lipödem. Ich mag Buchstaben und Wörter – aber mit diesem Wort konnte ich mich bis jetzt nicht anfreuden. Lipödem. Es ist mit so vielen Tränen, Traurigkeit, Verzweiflung, Unwissenheit, Scham und Frust verbunden. Lipödem. Seit 2010 so etwas wie ein Schatten, der mich tagtäglich begleitet. Ich habe gelernt, damit umzugehen und meinen Körper nicht mehr dafür zu hassen, dass er mich mit diesem Wort, diesem Thema in Verbindung gebracht hat. Ich habe gelernt, dass es nicht um meinen Charakter, meine Seele, meine Talente oder Interessen geht. Es geht rein um eine Funktion – die meinem Körper nicht so leicht fällt, wie anderen. Es sind kranke Fettzellen, vor allem an den Armen und Beinen, die Wassereinlagerungen fördert und den Lymphfluss beeinträchtigen. Alles wird Dicker – außer den Händen und Füßen oder Oberkörper, Hals und Kopf – diese “Unform” wird zur Belastung. Jeder Blick in den Spiegel wird zur Herausforderung. Jede Mahlzeit beginnt mit dem Gedanken: Darf ich überhaupt? Lange Zeit macht man sich selbst dafür verantwortlich. Zu wenig Sport, zu viel Schokolade. Doch dann stellt man fest, auch wenn viel Sport und wenig Schokolade – bis fast gar nichts essen – auf dem Tagesplan stehen: es ändert sich nichts. Die Blicke der anderen tun weh. Man verurteilt sich selbt, zu schwach zu sein. Die Gedanken fahren Karusell: Was denken sich die Menschen rundherum? Wie stehe ich da? Wie ist meine Haltung? Sieht jemand meine Oberarme? Wie kann ich das alles verstecken? Könnte mir jemand bitte ein Loch graben, in dem ich untertauchen kann? (Eine Schaufel wird wohl nicht reichen, vielleicht jemand mit Bagger? :))

In den vergangen Jahren habe ich viele verschiedene Phasen durchlaufen – Diäten (bis zum Abwinken – immer ohne richtigen Erfolg, weil Diäten beim Lipödem nichts bringen, weiß man aber nicht, solange man nichts davon weiß), Frust, Verzweiflung, Selbsthass, Verdrängung, Einsicht, Verständnis, Mut. Lange habe ich mich geschämt – für diesen Körper, der nicht so ist, wie er sein “sollte”. Ich war einmal beim Arzt, habe mir die Diagnose abgeholt und erst mal in eine Schublade gelegt. Ich wollte mich nicht weiter mit Fettzellen – schon gar nicht mit kranken – beschäftigten.

Seit ein paar Wochen ist mein Zugang ein anderer. Es geht nicht darum, mich mit Fettzellen zu beschäftigten, sondern mit der Funktionsfähigkeit meines Lymphsystems. Die Lymphe erfüllt sehr wichtige Aufgaben im Körper – ist zb für den Abtransport der Lymphflüssigkeit zuständig. Und wenn die gute Lymphe keine optimalen Arbeitsbedingungen vorfindet – dann muss ich ihr dabei helfen, die körperliche Infrastruktur zu verbessern.

Deshalb: Reha-Ansuchen, Lymphklinik, ich komme. Der Antrag wurde genehmigt. In vier Wochen geht es los und es ist noch jede Menge vorzubereiten. Meinen Kopf zum Beispiel – auf die Tatsache, dass jetzt innerlich umgebaut wird, um die Weichen wieder auf Vollfunktion zu stellen. Ich werde diesen Weg im Pipparadies gehen. Um – natürlich auch mir – und vielleicht auch anderen Mut zu machen, raus zu gehen. Sich nicht zu verstecken und aufzugeben, weil man “eh nix machen kann”. Ich möchte gehört/gelesen werden, weil das Lipödem ein Thema ist, das viele betrifft und weil es Möglichkeiten gibt, etwas zu tun.

Lipödem. Ich freunde mich langsam mit dem Wort an. Langsam.

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