Mama-Sein: Traum vs. Wirklichkeit

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Als ich noch kein Kind hatte – also vor gar nicht allzu langer Zeit – habe ich mir das Mama-Sein richtig rosig vorgestellt. Der Alltag lief in meinen Träumen ungefähr so: Aufwachen, Baby stillen, wickeln, spielen, während das Baby schläft frühstücken und schnell das Nötigste aufräumen, wieder stillen, wickeln, bespaßen, den Schlaf wieder ausnutzen – zb Spaziergang und Einkauf, stillen, wickeln, genießen, Baby schläft, Abendessen, mit Schatz vor den TV kuscheln, nach 2-3 Stunden wieder stillen usw – dann bin ich aufgewacht.

Ich ziehe in großer Erfurcht meinen Hut vor Mehrfach-Mamas und Alleinerzieherinnen – wie macht ihr das bloß?! Duscht ihr mit Baby im Arm? 🙂

Es ist fast gar nichts so, wie ich es mir vorgestellt habe. Was toll ist, ist das Baby – sein entzückendes Wesen rettet ihm das Leben 😉 Er lässt mich doch immer wieder vergessen, was ich wieder nicht geschafft habe (duschen, Zähne putzen, aufräumen, kochen, essen, staubsaugen…). Dennoch – das Nicht-Schaffen frustriert mich ehrlich gesagt. Ich wollte keine gefrustete Mama sein. Ich wollte locker, fröhlich und vor allem gut organisiert sein. In den ersten 6 Wochen ist mir das selten gelungen.

Das Rezept, um wieder zur Zufriedenheit zu finden, ist aber im Grunde einfach: Sein lassen. Ich muss es sein lassen, zuviel von mir und vom Leben mit Theo zu erwarten. Ich darf Staub und dreckiges Geschirr mal sein lassen. Passiert ja nichts, wenn das alles mal liegen bleibt, oder?

Sein lassen – vor allem darf Theo SEIN. So wie er ist, mit all seinen Bedürfnissen, die es zu stillen (im wahrsten Sinne des Wortes) gibt. ER ist jetzt wichtiger als jeder Brösel und jeder Müllsack, der vl seit 2 Tagen schon in den Container fallen sollte. Ich bin Theos Insel, sein Universum (danke für den Vergleich, liebe Ingrid), auf der er lebt, die ihm Sicherheit, Nahrung, Geborgenheit und die Basis für alle Entdeckungen gibt. Bei mir und seinem Papa findet sein Leben statt. Wir sind sein Anker, sein doppelter Boden. Wir sind sein Zuhause, sein Ort der Geborgenheit und Liebe. Hier darf er SEIN – immer, überall und sowieso und überhaupt. Das ist eine große Verantwortung und eine Ehre – ich bin dankbar und stelle mich der Herausforderung.

Sein lassen – auch mich. Ich darf frustriert und traurig sein – mein Leben steht Kopf, das muss sich erst neu ordnen. Und das ist gut so. Ich darf die Ordnung neu sein lassen. Kommen lassen, was kommen mag und mich dann in dieser neuen Ordnung finden. Ich darf zuversichtlich sein – schließlich funktioniert das in Millionen anderen Familen auch. Zugegeben, die Zuversicht ist noch klein und hat definitiv Potential zu wachsen – aber sie ist da und ich werde sie hegen wie ein kleines Pflänzchen.

Sein lassen – darf ich auch die Meinungen der anderen. Kaum hat man ein Baby, ist man Zielscheibe für alle möglichen Ratschläge und magnetischer Anziehungspunkt für Ratgeber und Vergleiche. Auch die dürfen sein – allerdings nicht Mittelpunkt. Egal, was in Büchern steht, was die Erfahrung der älteren Generation sagt und egal, was die Nachbarin denkt oder der Kollege anders macht – niemand lebt unser Leben und wir geben für uns unser Bestes, darauf kommt es an.

Auch wenn ich vor 2 Stunden nicht daran geglaubt hab – Theo schläft seit fast 2 Stunden und ich habe tatsächlich Zeit, dieses Motivationsschreiben für mich zu verfassen. Danke mein kleiner Spatz. Das gibt mir wieder mehr Kraft und Zuversicht für die nächsten Wunder-vollen Momente mit dir.

Ich wünsche euch eine ebenso Wunder-volle Zeit!

ps: die Buchstaben haben schlecht geschlafen, nicht ich 🙂

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