Ausgebrannt – wo ist mein Feuer?

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Ich sitze im Wohnzimmer auf der Couch mit ungewaschenen und unfrisierten Haaren, die Zähne sind geputzt und ich habe halbwegs saubere Klamotten an. Außerdem konnte ich mir etwas zu Mittag kochen. Ein guter Tag. Söhnchen liegt auf mir, deshalb schreibe mit einer Hand.

Es gab also schon schlechtere Tage. Viele. Von denen hab ich aber kaum jemandem etwas erzählt – der Schein soll ja gewahrt werden. Ein Leben mit Baby ist etwas Wundervolles. Mamas strahlen und schaffen alles. Das wird einem zumindest von außen über Jahre und Jahrzehnte, während der Schwangerschaft und auch im Wochenbett oft vermittelt. Vor allem die Sätze: “Mamas schaffen alles!” und “Es wird besser.” haben sich in mein Hirn gebrannt und mich selbst ausgebrannt. Vom Feuer der Hormone nach der Geburt, blieben nur noch eine Glut und duuuunkle Ringe unter den Augen von den schlaflosen Nächten.

“Mamas schaffen alles!”

Kommt darauf an, wie man “alles” definiert. Alles ist für mich momentan ein sattes, zufriedenes Kind, eine angezogene Mama, ein mehr oder weniger Stolperfallen freier Haushalt und 1,5 Stunden Schlaf am Stück. Das schaff ich alles und bin stolz darauf.

“Es wird besser”

Angeblich. Sagen tun es viele. Besser wird es trotzdem – für mich – erst, wenn ich mein früheres Ich ausblende, die Situation annehme  und endlich andere um Hilfe bitte. Jeder, der den Satz sagt, meint es gut – ab und zu würden Taten sich aber besser anfühlen, als Worte, die alles und nichts bedeuten können.

In den vergangenen 3 Monaten überrollten mich viele Gefühle. Pure Freude bis pure Verzweiflung. Ohne meinen Schatz wäre ich wahrscheinlich zusammengebrochen – ausgebrannt, weil ich alles richtig und es allen Recht machen wollte. Nur mich habe ich nicht mehr gesehen. Ausgelöscht. Nur noch Still-, Wickel- und Animations-Mensch. Nicht mal das Mama-Gefühl war immer da. Traurig. Wenig Besuch. Wenig Ausflüge, weil der Kleine im Moment nicht gerne Auto fährt. Gefangen im neuen Leben und jeder erwartet, dass man glücklich damit ist. Bin ich auch. Aber öfter bin ich einfach nur fertig und gehe um 19 Uhr schlafen. Und trotzdem sind die Tage (und Nächte)  laaaang. Theo, mein Bald-Mann und meine Familie halten mich aufrecht. Ich danke euch dafür!

Momentan fühle ich mich wie Glut, die darauf wartet, dass das Feuer wieder entfacht wird. Gestern gab es den ersten Luftstoß, den ich dafür brauche. Ich will wieder Feuer fangen für dieses neue Leben, das ich habe – jetzt geht es darum, meinen Weg zu finden. In Richtung Happy-Mum und weg vom Baby-Blues und der postpartalen Depri-Stimmung. Auf ins wahre Mama-Glück!

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