Monthly Archives: May 2017

Zum 70. Geburtstag – in Erinnerung

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Heute möchte ich euch von einem ganz besonderen Menschen erzählen. Und auch davon, was er/sie mir bedeutet.

Sie wäre heute 70 Jahre alt geworden und ich weiß gar nicht, ob sie diesen besonderen Tag gerne gefeiert hätte. Sie war nicht der Mensch, der gern im Mittelpunkt stand. Sie stellte lieber andere in die Mitte und wich ihnen bei einem Gespräch nicht von der Seite. Sie stärkte anderen den Rücken und fand selbst Halt in diesen Gesten. Sie begeisterte sich für Sinnliches – sehr gern im kulinarischen Sinn – und Übersinnliches. Sie glaubte an vieles, dass wir nicht sehen konnten und konnte manches nicht glauben, obwohl sie es sehen konnte. Sie war etwas kleiner als ich und auch etwas rundlicher. Sie war schon grau und runzelig geworden – “alte Tante”, nannte sie sich oft liebevoll selbst. Sie war gemütlich und kuschelig und ihre Mundwinkel kräuselten sich so schön, wenn sie lächelte. Ihr Beruf war Ihr Leben. Sie war Ärztin, wahrlich aus Leidenschaft. Wenig verwunderlich, dass Sie einen Rettungssanitäter geheiratet hat. Das Durcheinander war Ihre Ordnung, erst im Chaos wurde sie kreativ. Sie sammelte aus vollem Herzen: Heilsteine, Briefpapier, Bücher, Lösungen, Begegnungen, neue Erkenntnisse… Sie berührte die Menschen mit ihrem ganzen Wesen. Sie hatte oft wenig Zeit für Ihre Familie, doch sie nahm sich Zeit für Ihren Mann, um ihn auf seinem letzten Weg täglich im Heim zu begleiten und zu ermutigen, doch noch nicht aufzugeben. Als er vorausgegangen war, war ihre Zeit gekommen. Zeit zu reisen, Zeit, Unruhe in den doch so verdienten Ruhestand zu bringen. Zeit für Rituale und Zeit für mich, als eines ihrer Patenkinder. Erst als sie mehr Zeit hatte, fanden auch wir wieder näher zueinander. Wir wurden E-Mail-Brieffreunde. Mein Herz freute sich über jede Nachricht und ich weiß, das beruhte auf Gegenseitigkeit. Viel zu früh wurde sie selbst krank, ein Pflegefall, was sie nie sein wollte. Sie war noch kleiner geworden in diesem riesigen Krankenhausbett. Sie war stiller geworden. Sie ist aber aufrichtige und verständnisvolle Zuhörerin geblieben. Sie wollte in den schwächsten Zeiten stark bleiben und musste sich doch 24 Stunden lang helfen lassen. Sie hat Besuche geliebt. Die Abwechslung. Das Wissen, dass da jemand ist, der da ist. Genau wie sie immer da war. Sie liebte es, wenn man ihr aus Witze-Büchern vorgelesen hat – je schlechter der Witz, desto besser. Sie genoss die kurzen Ausflüge im Rollstuhl Richtung Frühlingssonne. Sie dachte gerne an die Zeit, als sie noch selbst Gänseblümchen für ihr Butterbrot pflücken konnte. Bei jedem Gänseblümchen denk ich jetzt an sie.

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Sie benutzte Worte wie „Sei lieb gegrüßt“ und wenn ich im Nachhinein ihre E-Mails lese, fällt mir auf, wie sehr sie an das Gute im Menschen geglaubt und darauf vertraut hat. Sie ist immer davon ausgegangen, dass niemand etwas Böses will und dass die Schwächen der Menschen manchmal die besten Seiten hervor bringen. Sie hat es geliebt, zu philosophieren. Sie war immer dabei mehr Fragen zu stellen, als Antworten zu bekommen.  Sie hat sich nie vor viel Arbeit oder zu großen Herausforderungen gescheut. Als Tochter einer Bauernfamilie zog es sie in die Stadt zum Studium. Sie hatte den Traum Ärztin zu werden und tat alles dafür, damit sich dieser erfüllt. Sie liebte es, auch mal Unsinn zu machen und am allermeisten laut zu lachen. Sie konnte in den Augen der Menschen, deren Seele sehen und wusste, was gut tun würde. Und sie wusste auch, dass ihre Ratschläge nicht immer angenommen oder umgesetzt wurden. Sie war begeistert von Düften, von Ölen, die helfen, zur Ruhe zu kommen oder zu heilen. Auch die Farben hatten es ihr angetan, weil sie auch darin soviel Kraft entdecken konnte. Die Tier- und die Pflanzenwelt gaben ihr Halt und zeigten ihr, wie gut Achtsamkeit tut. 

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Ich habe von meiner Tante erzählt. Wenn ich genauer hinschaue, handelt diese Erzählung auch von Distanz und Zusammenhalt von einer Verbindung, die auch der Tod nicht trennen kann. Es geht darum, dass man sich Familie aus engstriniger, menschlicher Sicht zwar nicht aussuchen kann (oder will) und doch wissen unsere Seelen genau, wer in diesen auserwählten Kreis gehört. Mein „Gotale“ (so sagen wir in Kärnten zur Taufpatin) hat mir den Sinn für Übersinnliches mitgegeben. Sie hat mir immer jemanden/etwas geschickt, das auf mich Acht gibt. Unsere Beziehung hat das Vertrauen in mir gestärkt, darauf zu vertrauen, dass es mehr gibt, als all das was wir sehen. Obwohl ich meine Tante so oft nicht gesehen habe, weil jeder mit seinem Leben irgendwie ausgefüllt war, ist die Verbindung immer stärker geworden. Unsere Geschichte erzählt, dass Bänder geknüpft und gehalten werden. Dass man ab und zu den Verbindungsfaden verstärken muss, dass er aber nie abreisst. Auch nicht dann, wenn einer der beiden nicht mehr „greifbar“ ist. Heute handelt die Erzählung von einer Feier – zum 70. Geburtstag meiner Goti. Ich stoße heute auf uns an, auf unserer individuellen Geschichten und auf die Geschichten, die uns heute einmal mehr verbinden. Liebe und Licht von Herzen – würdest du sagen – Herzensgrüße in den Himmel, sage ich, Deine Melanie.

Ps: von Herzen danke an Barbara Pachl-Eberhart für diesen Wunder vollen Schreibimpuls – genau zur richtigen Zeit. Ein Herzlicht auch für Dich und die Deinen.

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Muttertag, das zweite Mal

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Muttertag, das zweite Mal

Wie aufregend es ist, das erste Mal. Der erste Schultag, die erste Autofahrt mit eigenem Führerschein, der erste Kuss – das erste Kind, dessen zig erste Male – ein Wow-Moment folgt auf den anderen. Oft verliert man den Blick dafür, weil einfach soooo viel zum ersten Mal passiert. Was, wenn der Zauber beim zweiten Mal gar nicht verloren geht?

So geschehen gestern, Muttertag. Im Grunde lief der Start ins Wochenende eher ungeplant, inkl. Röntgen und Krücken und einem verletzten Waden-Muskel meinerseits. Wie war das mit Ent-lasten? 😉 Alle, mir zur Verfügung stehenden Mittel habe ich eingesetzt, damit es rasch zu wahren Fortschritten kommt. Tools von Access, Engelhilfe mithilfe der Karten von Ingrid Auer, Aura Soma Pomander in vielen Farben, Globuli und Ruhe. Siehe da – die Summe hat zum Ergebnis, dass ich heute schon wieder ohne Krücken humpeln kann. 😀 Yey! Und die Prophezeiung der UKH-Ärztin: “Das kann 4-6 Wochen dauern und weh tun.” widerlege ich – spätestens am Wochenende kann ich wieder tanzen wie ein kleines Regenbogenpony! 🙂 Dazu beigetragen hat auch der Muttertag – um den Kreis wieder zu schließen.

Morgens um 6 ist Tagwache mit dem süßen Knopf, auf Krücken vom Bett zur Couch – der Göttergatte beschloss frisches Gebäck zu holen und ich war, naja, eher schwach motiviert. Dann kam mein Lieblingsmann heim, holte flüsternd den kleinen Sohnemann zu sich und gemeinsam – begleitet von Theos lautem Schmatzen – überreichten sie mir das soooo sehnlich gewünschte Briocheherz 🙂 #schmacht, da kommen gleich wieder ein paar Tränchen hoch. Der zweite Muttertag – mindestens so bezaubernd wie es der erste war, aber mit einer ganz neuen Magie.

Was lerne ich daraus – nichts mehr abzuwerten, nur weil das erste Mal schon vorbei ist. Welch großartiges Geschenk sind denn erst die Wiederholungen von Wunder-vollen Momenten?!

In diesem Sinne – bleib Wunder-voll!